Der Teufel steckt im Detail

Nach einem brutalen Tag bei Regen, Wind und Reifenpannen ging es heute mit einer gemütlichen Etappe weiter – eigentlich…

Der gestrige Tag ist zum vergesen. 10 Stunden Kampf gegen Nebel, Regnen und Wind. Dabei hatte er eigentlich so gut angefangen. Zuerst traf ich zwei Radfahrer aus Deutschland an, welche auf dem gleichen Weg waren. Sie waren überrascht, wie gut ich vorbereitet war (alle Karten digital mit schwedischer Prepaid-Sim, Velo-GPS, Gepäcklogistik…). Das machte mich fast ein wenig stolz 🙂 Doch dann kam die Wende: Die Strassen wurden Autobahnähnlicher, es begann zu Regnen, der Wind setzte ein. Nach einer Reifenpanne, bei welcher ich meinen letzten Schlauch brauchte und dieser ein Ventilfehler hatte, ging gar nichts mehr. So stand ich im Regen an einer engen autobahnähnlichen Strasse mit dem Daumen nach oben. Der Zufall wollte es, dass ein Autofahrer, welche selber Radfahrer ist, mir einen Schlauch geben konnte, damit ich die Reise weiterführen konnte. Komplett entkräftet und bis auf die Knochen durchnässt erreichte ich nach einer scheinbar endlosen Fahrt das Hotel. Dort lag ein Brief für mich bereit: Ich darf das Paket an der Poststelle abholen – etwa 10 km vom Hotel entfernt – und ich hatte noch genau 5 Minuten Zeit, bis die Post schliesst. Game Over. Da es im und ums Hotel nichts essbares hatte, besorgte ich mir ein Taxi, um wieder ein wenig zu Kräften zu kommen. Die vielen netten Kommentare auf Facebook und der Website sowie das Whirlpool im Zimmer tat der Seele gut und so versuchten ich den Tag so schnell wie möglich zu vergessen.

Tag 15: Sundsvall – Örnsködlsvik

Sundsvall - Önrsköls 1 Sundsvall - Önrsköls 2


 

So musste ich heute morgen erstmals das Paket abholen, um überhaupt trockene Kleider zu haben. Da ich das Zimmer mit nassen Kleidern überschwemmt habe, konnten diese nicht rechtzeitig trocknen. Um das Paket weiterzuschicken, musste ich mir eine Lösung einfallen lassen, da der Versand nicht ganz so 08/15-mässig funktioniert. Mit dem Trick, ein wenig auf die Tränendrüse zu drücken, kommt man jedoch ziemlich weit, so hatte ich bald eine Lösung gefunden. Nach einem sehr coolen Gespräch mit einem Engländer, der von meinem Rad begeistert war, ging die Fahrt dann endlich los. 110 km standen auf dem Programm, also eigentlich ganz easy.

Zurück gings auf die E4, auf und neben welcher ich bereits etwa seit 900 km unterwegs bin. Obwohl sie keine Autobahn mehr ist, fühlt sie sich etwa so an. Und als Radfahrer ist dies eine ziemliche Herausforderung für die Konzentration. Und leider ist die Strasse auch nicht ganz geeignet, da jede Menge Zeugs rumliegt, das eigentlich nicht rumliegen sollte. Der Tag gestern sitzte mental und körperlich immer noch in den Knochen, doch nach etwa 50 Kilometern war das Vertrauen wieder da. Guten Mutes ging es mit 28 km/h Durchschnittsspeed in Richtung Umeå.

Und dann kommt der Kilometer 75: Reifenschaden hinten. Eigentlich kein Problem, denn ich habe ja einen Ersatzschlauch dabei. Also Schlauchwechsel. Mit der kleinen Handpumpe dauert es ewig und es ist sehr kraftaufwändig, einen Pneu auf etwa 7 Bar aufzupumpen. Und als ich langsam fertig bin, höre ich ein Geräusch, dass mir überhaupt nicht gefällt: ein Zischen. Der neue Schlauch hat einen kleinen Riss – höchstwahrscheinlich hat er an einem Stein oder Strauch diesen geholt. Da ich bereits ein Schlauch in Deutschland gebraucht hatte, hatte konnt ich nur einen ‘nachbestücken’. Einer zu wenig… Die Motivation war im Keller. Da wurde ich mal kurz laut, denn ich wusste, dass die Fahrt nun zu Ende ist.

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41 km von der nächsten Ortschaft entfernt, gab es nur eines: Laufen – und dies in Rennradschuhen. Da die Strasse beziehungsweise Autobahn zu gefährlich war, ging es neben der Strasse weiter. Über Steine und Sträucher lief ich also gegen Norden. Irgendwann erreichte ich eine Busshaltestelle. Der nächste Bus kommt in etwa 2,5 Stunden. Super! Ich sah, dass etwa 10 Kilometer weiter die nächste Bushaltestelle ist. Da Laufen ein wenig angenehmer ist, als rumzusitzen, entschied ich mich, weiterzugehen. Und nach knapp 5 mühsamen Kilometer hielt plötzlich ein Autofahrer an und fragte mich, ob ich mitfahren wollte. JA, ICH WILL! Er hatte sogar eine Radhalterung dabei. Nach dem obligaten Erzählen der Geschichte des Project 5000 fuhr er mich in den nächsten Shop, wo ich mich erstmals mit Radschläuchen eindeckte. Und dann fuhr er mich ins Hotel. Von der Hilfsbereitschaft überrascht, wollte ich ihn zu einem Nachtessen einladen. Er verneinte und meinte lediglich, dass er ja Feierabend und daher Zeit habe. Zudem habe er ja eh in diese Richtung müssen. Grandios!

Nach dem Reparieren des Rads kann nun die Reise weitergehen – es folgen noch zwei Tage ‘Autobahn’, daher gehe ich davon aus, dass die Materialschlacht noch nicht überstanden ist…

Tag 16: Örnsködlsvik – Umeå

Fahrzeit: 03:47:42
Distanz: 75 km
Durchschnittsgeschwindigkeit: 19.76 km/h
Höhenmeter: 631 Meter
Wasserverbrauch: 4 Liter

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