Paris 48 – Schief ist nur der Vorname

Als Vorbereitung fürs Transcontinental Race möchte ich wieder eine Testfahrt machen. Fürs Project 5000 bin ich in 3,5 Tagen nach Paris gefahren. Nun ist der Plan innerhalb von weniger als 48 Stunden die gleiche Strecke von Paris nach Luzern zu fahren (inklusive Übernachtungen).

Es ist Freitagabend. Mein Puls schlägt in meinem Hals. Kurz zuvor habe kurz zuvor mein Rad auseinandergeschraubt, alle Sachen im Stress verpackt. Und jetzt bin im Bus an den Bahnhof. Stau. So viel Stau, dass ich den letzten Zug auf Paris nicht mehr schaffen werde. So bleibt mir nichts anderes übrig, als kurzerhand ein Taxi zu nehmen und dem Zug eine Haltestelle hinterher zu fahren.

Als ich im TGV bin, fühle ich mich erleichtert. Weil ich zuhause jedoch so unter Zeitdruck war, muss ich noch ein paar Sachen an meinem Rad machen. So schraube ich im Gang vom TGV an meinem Fahrrad rum – und stelle fest, dass ganz viele wichtige Sachen zuhause geblieben sind: Ladegerät für GPS (bei einer 650 km Strecke durchs Ausland hilfreich), Kopfhörer (jetzt muss ich halt meinen Geist durch die Monotonie stärken) sowie die Trinkflaschen (werden für den Sport eh überbewertet). Mein hinteres Rad ist Platt, also muss ich dies im schaukelnden Zug mit der Handpumpe aufpumpen. Gute Vorbereitung sieht anders aus.

Im Vorfeld habe ich die Route erstmals detailliert geplant. Dazu habe ich auf Ridewithgps.com verschiedene Streckenvarianten ausprobiert (teilweise ein wenig länger, dafür mit weniger Steigung) und anhand einer Formel berechnet, welche Variante am schnellsten ist. Am Schluss hatte ich eine lange rote Linie, welche ich auf mein Velo-Navi Garmin Edge 810 geladen habe (und sicherheitshalber noch via Gallileo App auf mein Mobiltelefon). Für jede grössere Ortschaft habe ich berechnet, wann ich etwa wo bin und wo ich wie lange Pause mache. So kann ich unterwegs stets überprüfen, wie gut ich vorwärts komme. Um das Transcontinental zu simulieren, habe ich auch kein Hotel vorausgebucht, so wie ich es für meine Reise ans Nordkap gemacht habe. Ebenso habe ich mein Gepäckkonzept leicht angepasst, um das Rennen zu simulieren. So habe ich nur das dabei, was ich wirklich wirklich wirklich benötige (und zum Beispiel keine kleider dabei, welche ich zum “nicht radfahren” anziehe). Die Radfahrt nutze ich auch, um verschiedenes Material auszuprobieren. Daher habe ich von 25mm auf 28mm Bereifung gewechselt (auch weil ich Kiesstrassen erwarte) und an der Sattelposition rumgeschraubt. Alles in Allem sehr viel, um zu lernen.

Kurz vor 22 Uhr komme ich in Paris an. Partystimmung pur. Auf der Saine fahren beleuchtete Boote, aus welchen dumpfe Bässe klingen. Die Strassen sind voll mit Party-Bussen. Und irgendwie schlängle ich mich zwischen all den gut gelaunten Menschen (und den paar kaputten Bierflaschen am Boden) zum Eiffelturm durch. Durch die Eishockey-WM, welche gerade in Paris stattfindet, ist das Polizeiaufgebot riesig. Da ich mit meinem Fahrrad und Gepäck keine Lust auf Menschengetümel habe, fahre ich kurzerhand in den Park neben dem Turm und schiesse da das obligate Foto.

Der Timer für die 48 Stunden fängt an zu laufen. Es ist 05.05.2017 22:49.

Anschliessend fahre ich zum Stadtrand von Paris. So kann ich morgen früh gleich “richtig” losfahren und muss mich nicht erst noch durch einen Ampeljungel durchkämpfen. Auf der Strasse geht es dubios zu und her. Vor mir fährt ein Auto ohne Licht (in der Dunkelheit), als ich den Fahrer an einer Ampel ansprechen will, kommt mir ein Polizeiauto entgegen – auch ohne Licht und dies mitten in der Nacht. Meine Absicht lass ich sein. Immer wieder überholen mich Roller- oder Töfffahrer mit gefühlten 150 Sachen innerhorts. Freitagabend halt, normales Testosterongebolze.

Das ganze Hotel ist durch Gitter abgesperrt. Ohne Klettern komme ich nicht rein. Bei Eingang gebe ich alle gängigen Zugangscodes ein, um das Tor zu öffnen. Geht nicht. Da ich keine Lust auf klettern habe, fahre ich mit dem Rad einmal rund um den Hotelkomplex. Irgendwo finde ich ein Schild, auf welchem sinngemäss steht: “400 Meter in diese Richtung, dann rechts abbiegen”. Einen Versuch ist es wert. Tatsächlich hat es da einen bewachten Hintereingang. Der Türsteher da erwartet mich bereits und gibt mir die Zimmerschlüssel. Er verrät mir auch den Zugangscode, mit welchem es doch einiges einfacher geht.

Als ich im Bett liege, kreisen meine Gedanken. Obwohl ich schon ein paar Touren gemacht habe, sind mir noch nie solche Flüchtigkeitsfehler unterlaufen (Trinkwasserflaschen vergessen, etc). Ich bin unsicher, ob es wirklich gut kommt. Immerhin habe ich nur das wirklich, wirklich allernötigste dabei und weiss noch nicht mal, wo ich morgen übernachten werde. Das Wetter für morgen ist mit etwa 8-12 Grad und Regen angekündigt – auch nicht optimal. Trotzdem versuche ich ein wenig zu schlafen.

Zeit seit Eiffelturm: 1 Stunde 8 Minuten

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